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Von 9 to 5 zu 9 to 420

Sicherlich habt ihr gerade den Titel dieses Blogeintrags gelesen und wundert euch nun, was es denn mit diesen komischen, roboterhaft aneinander gereihten Zahlen auf sich hat. Oder ihr seid etwas vertrauter mit Internet Culture und dem Thema, was ich in den folgenden Abschnitten ansprechen werde und fragt euch jetzt, ob ich denn wirklich auf meinem Reiseblog mit diesem Thema anfangen werde.

Bevor ich aber auflöse und erläutere, was das Ganze denn jetzt soll, muss ich etwas anmerken, was mir von Tag zu Tag mehr auffällt. Ich bin wieder auf einen Übersetzer angewiesen! Nicht aber so wie vielleicht am Anfang meiner Reise. Nein, das Blatt hat sich gewendet und besonders beim Schreiben scheint mein Gehirn deutsche Redewendungen immer häufiger auszublocken. So musste ich mir zum Beispiel für den ersten Abschnitt „to be familiar with“ übersetzen lassen, obwohl das in deutsch nicht einmal sehr anders ist. Falls sich meine Redewendungen und Satzbau also ab und zu komisch anhören, wisst ihr jetzt, woran es liegt.

Nun aber genug um den heißen Brei geredet und kommen wir zum Thema: Ich habe einen neuen Job! Was, einfach so? Ja, einfach so ganz spontan, durch pures Glück, von dem ich in letzter Zeit ungewöhnlich viel zu haben scheine.

Vor zwei Wochen, so lang ist es mittlerweile schon wieder her, hieß es also ‚Auf Wiedersehen, Baustelle und auf zu neuen Abenteuern. Das mag sich übertrieben anhören, aber glaubt mir, ein Abenteuer ist es für mich wahrhaftig. Aber genug auf die Folter gespannt, wo arbeite ich denn nun? In einer dispensary! An dieser Stelle macht es vielleicht bei manchen von euch Klick, die meisten werden jedoch genau so ahnungslos sein wie zuvor. Um es etwas genauer zu beschreiben: Ich verkaufe Cannabis! Was? Ja! Aber keine Angst, ganz legal und nur medizinisch.

Es gibt so viel zu erzählen über meinen neuen Job, aber alles der Reihe nach. Am Sonntag vor zwei Wochen saß ich also am Frühstückstisch und habe nebenbei ein wenig auf Craigslist nach Jobs gestöbert, was schon zu einer Art nebensächlichen Gewohnheit für mich geworden war. Gleich auf der ersten Seite fiel mir eine der Anzeigen ins Auge: eine Stelle als ‚Budtender‘ (eine lustige Bezeichnung für meinen neuen Job), die fast genau so viel bezahlt wie meine derzeitige, anstrengende Arbeit auf dem Bau.

Kann ja nicht schaden, dachte ich mir, und schickte ohne groß weiter darüber nachzudenken eine Bewerbung raus. Danach verlief mein Tag wie ein ganz normaler, ruhiger Sonntag und die Bewerbung hatte ich eigentlich schon wieder vergessen. Auf einmal klingelte jedoch mein Handy. Dran war der Chef der dispensary, der die Anzeige aufgegeben hatte. Er lud mich prompt zum Interview ein und das auch noch richtig nah an meiner Wohnung. Am Nachmittag machte ich mich also etwas nervös auf den Weg und wie hier üblich setzten wir uns in einen ruhigen Coffeeshop und hielten das Bewerbungsgespräch. Es schien ganz gut zu laufen und war eine Mischung zwischen lässigem Geplauder (an dieser Stelle musste ich mir übrigens das Wort ‚casual‘ übersetzen lassen) und ernsten, für Bewerbungsgespräche typischen, und allgemein gefürchteten Fragen. Natürlich machte ich mir aber keine weiteren Hoffnungen, denn ich fühlte mich überaus unqualifiziert für diese Art Job. Am Ende des Gesprächs fragte mich der Chef dann jedoch auf einmal, ob ich morgen anfangen könnte. Völlig perplex sagte ich zu und bedankte mich wahrscheinlich tausend mal, denn das hatte ich nun wirklich nicht erwartet.

Vor meinem ersten Arbeitstag war ich zugegebenermaßen ziemlich nervös, denn ich hatte keine Ahnung, was mich erwartete. Das einzige, was ich wusste, dass ich für eine Woche Training bekommen würde, um alles über die vielen verschiedenen Produkte zu lernen. Der wichtigste Part des Jobs ist nämlich, Kunden gut beraten zu können, was bei den ganzen unterschiedlichen Beschwerden und Krankheiten schon eine Wissenschaft für sich ist. So begann meine Trainingswoche damit, über Produkte, Kundenservice, Verkäufe und Erkrankungen zu hören und möglichst viel mitzuschreiben. Am Anfang war das echt stressig, denn es gab so viel Neues zu lernen und nach meinen langen Arbeitstagen setzte ich mich jeden Tag hin und lernte den neuen Stoff. Ich kam mir ein wenig so vor, als wäre ich wieder in der Schule gelandet, obwohl das Thema viel interessanter war, als 99% des Stoffs in der Schule.

An dieser Stelle sollte ich vielleicht erwähnen, dass ich weiß, dass das Ganze ein sehr kontroverses Thema ist und ich keinesfalls politische Diskussionen und dergleichen auf meinem Blog anfangen möchte. Ich will jedoch auch nicht außer Acht lassen, dass ich jeden Tag mit zahlreichen Leuten zu tun habe, denen Cannabis in welcher Form auch immer unendlich geholfen hat und auch immer noch hilft und das es für mich auch einfach unglaublich zufriedenstellend und toll ist, wie dankbar diese sind. Für die unter euch, die immer noch skeptisch sind, habe ich ein paar Links zusammengestellt.

Ich arbeite nun mittlerweile seit zwei Wochen in meinem neuen Job und bin definitiv nicht mehr so überfordert wie am Anfang. Mit den meisten Abläufen und Produkten kenne ich mich nun mittlerweile aus und es ist immer wieder ein tolles Gefühl, Kunden (zunehmend) sachkundig beraten zu können.

Das wars auch schon für dieses kleine Update, natürlich habe ich neben der Arbeit auch Sachen unternommen und das winterliche Wetter genossen (oder verachtet), aber davon ein andermal mehr.

Ich habe heute leider auch kein(e) Foto(s) für dich (euch) und nur eine lahme Germany’s Next Topmodel reference, ich hoffe ihr nehmt es mir nicht zu übel!

 
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