Zwischen Halloween-Gegrusel und Wohnungsstress
Nachdem ich den letzten Post mit so einem fiesen Cliffhanger beendet habe, möchte ich euch nun nicht länger zappeln lassen und euch erzählen, warum denn die nächste Woche so stressig war.
Alles fing am Freitag an, als mir Katie sagte, dass ich am Montag ausziehen muss, weil sie spontan umzieht. Bei mir kam etwas Panik auf, denn hier eine Wohnung zu finden ist, wie ich ja bereits erfahren habe, alles andere als leicht.
Zum Glück baten mir spontan gleich mehrere von meinen Kollegen an, für kurze Zeit bei ihnen zu übernachten, unter anderem ein anderer Work and Traveller namens Helmut. Bei ihm würde ich dann nun also ab Montag schlafen und mich in der Zeit nach einer Wohnung umgucken.
Samstag musste ich aber erst einmal arbeiten und danach standen bereits zwei Wohnungsbesichtigungen auf dem Programm. Von beiden war ich allerdings eher weniger begeistert. Am selben Abend ging es dann noch mit meinem brasilianischen Kumpel Rob als Joker und Zombie verkleidet auf die Parade of Lost Souls, eine Halloween-Parade am Commercial Drive. Hier gab es hunderte verkleidete Menschen, Bands mit schaurig-genialer Musik und faszinierende Dekorationen.

Am folgenden Tag wurde ich leider wie immer zu schnell vom Alltag eingeholt, denn ich verbrachte meinen gesamten freien Tag damit, auf Craigslist nach Wohnungen zu suchen. Diesmal hatte ich außerdem selbst eine Anzeige gepostet und hatte verrückterweise schon ein paar Minuten danach mehrere SMS, Mails und Anrufe. Völlig überfordert und noch im Halbschlaf versuchte ich, bei den vielen verschiedenen Angeboten und Informationen auf dem laufenden zu bleiben, was mir auch mehr oder weniger gelang. Nebenbei musste ich auch noch packen, denn bereits am nächsten Tag stand der erste Umzug bevor.
Für Sonntag Nachmittag ergaben sich prompt vier Besichtigungen. Das erste Zimmer war in einem großen Haus in den Suburbs, das einer netten Frau gehört, die sonst immer internationale Austauschschüler bei sich hat. So hätte sie mich dann jedoch auch behandelt, ich dürfte weder selbst kochen, noch meine eigene Wäsche waschen, was mir sehr unangenehm gewesen wäre.
Das zweite Haus war da schon um einiges besser, ich wurde dort super nett willkommen, hier leben Reisende aus aller Welt und ein unglaublich lieber Hund. Dieser Ort hat mir sofort gefallen, wäre da nicht der Nachteil, dass auch dieses Haus ziemlich weit außerhalb liegt.
Die dritte Wohnung war das genaue Gegenteil zu den zwei vorherigen: ein Townhouse mitten in Downtown, das ich mir mit (viel zu) vielen anderen jungen Leuten geteilt hätte. Zwar gab es hier ein kostenloses Schwimmbad, Whirlpool und Fitnessraum, von denen ich hellauf begeistert war, das Zimmer hatte jedoch leider die Größe eines Wandschranks, in den gerade so eine Matratze und nichts weiter gepasst hätte
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Das vierte und letzte Haus für den Tag lag direkt am Strand und die Besitzerin hatte ihren Sohn damit beauftragt, mich herumzuführen, dieser hatte allerdings keinen Schlüssel für den freien Raum. Mal wieder ein Beispiel für die weit verbreitete Organisationsschwäche der Kanadier. (An dieser Stelle will ich nicht generalisieren und auch keine Vorurteile in die Welt setzen, es fällt jedoch an allen Ecken immer wieder auf.) So konnte ich mir also nur die anderen Räume anschauen, die aber alle ziemlich cool waren. Außerdem lernte ich einen Typ aus Michigan kennen, der schon seit über einem Jahr einen Raum in dem Haus gemietet hat und sehr zufrieden damit war.
Hin und her gerissen und zugegebenermaßen auch etwas enttäuscht, weil eben nicht das wirklich Richtige dabei war, machte ich mich sehr spät auf den Heimweg, denn am folgenden Tag musste ich wieder einmal arbeiten. Ins Bett konnte ich jedoch nicht gleich, denn zu allem Überfluss hatte ich zwischen den ganzen Wohnungsbesichtigungen keine Zeit gefunden, meine Sachen zu packen.
Am nächsten Tag stand also Arbeit und dann der Umzug zu Helmut auf dem Plan. An diesem Tag war außerdem Halloween, ich hatte jedoch keine Sekunde Zeit, um mich irgendwie damit zu beschäftigen. Katie fuhr mich dann nach der Arbeit zu Helmut, wo ich die Nacht auf der Couch verbrachte. Bevor ich mich endlich ausruhen konnte, stand jedoch noch eine Wohnungsbesichtigung auf dem Plan.
Die Beschreibung dieser Wohnung klang am besten von allen und ich muss zugeben, dass ich nicht anders konnte, als all meine Hoffnung auf sie zu setzen. Der Besitzer war ehrlich mit mir und sagte von Anfang an, dass er mehrere Interessenten hatte, die auch bereit waren, mehr zu bezahlen. Ich machte mich also mit gemischten Gefühlen auf dem Weg zu der Wohnung, die super zentral 5 Minuten vom Skytrain entfernt liegt.
Dort angekommen wurde ich ganz nett empfangen von einem Filmstudent aus Istanbul, einem Kanadier, der in Vancouver Journalismus studiert und nebenbei Barkeeper ist und einem kleinen, aufgeregten Hund. Hier fühlte ich mich sofort wohl und unterhielt mich sehr lange mit ihnen, obwohl ich die Hoffnung eigentlich schon aufgegeben hatte. Sie hatten nämlich einen weiteren ernsthaften Interessenten, der monatlich 200 Dollar mehr zu zahlen bereit wäre als ich.
Wir unterhielten uns jedoch weiter und wurden auf einmal unterbrochen vom Handygeklingel. Heute war wohl das Glück auf meiner Seite, denn der andere Interessent kommt so schnell nicht heraus aus seinem Mietvertrag! Die beiden sagten mir also zu und bereits am nächsten Tag konnte ich einziehen! Ich war so glücklich und erleichtert! Nun hatte ich endlich wieder eine Bleibe, super tolle Mitbewohner, einen Hund und einen eigenen großen Raum in einer Wohnung fast direkt am Wasser und trotzdem richtig zentral! Um ehrlich zu sein kann ich mein Glück auch jetzt, nun mittlerweile fast einen Monat nach meinem Einzug, kaum fassen!
Erleichtert konnte ich so die zweite für den Tag geplante Besichtigung absagen und kehrte zu Helmuts Wohnungs zurück. Dessen zwei Mitbewohner versuchten uns zum feiern zu überreden, was ich ernsthaft in Betracht zog. Dann siegte jedoch die Vernunft, denn morgen hieß es schon wieder: Die Arbeit ruft, und ich hatte die letzten Tage wirklich keine Sekunde zum Durchatmen gehabt.
Am folgenden Tag hieß es also: Umzug Nummer 2 innerhalb der 2 Tage und wieder einmal durfte ich all mein Gepäck im strömenden Regen quer durch die ganze Stadt transportieren. Als ich dann endlich ankam, packte ich noch ein wenig aus, aß Abendbrot mit meinem einen Mitbewohner Kaan und ging dann endlich ins Bett, um für die Arbeit am nächsten Tag wenigstens halbwegs fit zu sein.
So begann ein neuer Abschnitt meiner aufregenden Reise mit viel Stress und Bangen, das im Nachhinein jedoch tausendmal wettgemacht wurde!