Work, Work, Work, No work…
Montag bis Samstag war ich fleißig am Arbeiten in einem neu gebauten Haus 20 Minuten von meiner Wohnung entfernt. Das war im Grunde genommen sehr entspannt und im Nachhinein weiß ich nun auch, dass ich diese Arbeit viel mehr hätte würdigen sollen!
Der Sonntag war wie meistens ein freier Tag, so dass ich mal wieder ausschlafen konnten und dann den Tag langsam angehen ließ. Beim Genießen einer heißen Schokolade ließ ich den Ausblick direkt aus unserem Küchenfenster auf mich wirken, denn wer sagt, dass nur Kanadas Osten den berühmten Indian Summer hat?

Danach entschied ich mich zu einem Ausflug; so langsam arbeite ich meine Liste mit Zielen in Vancouver ab! Mit dem Skytrain fuhr ich bis zur Science World, einem Museum, das den Naturwissenschaften gewidmet ist. Dieses habe ich allerdings nicht besucht, sondern nur den Park um es herum, in dem ich am Wasser entlang lief und die ersten Sonnenstrahlen des bisher trüben Tages genoss.

Danach lief ich weiter ohne wirkliches Ziel nach Downtown. Unterwegs holte ich mir einen Cappucchino bei McDonalds, denn deren Sonderangebot für $1 konnte ich als frisch gebackener Sparfuchs nicht ausschlagen.
Nach dieser kurzen Pause machte ich mich auf zur Public Library, die mir oft empfohlen wurde. Da ich aber nicht wirklich in Stimmung war, mich bei diesem guten Wetter reinzusetzen und zu lesen, machte ich nur ein Foto von der Fassade und zog nach kurzem Beschnarchen der tausenden Buchtitel gleich weiter.
Nun lief ich die Robson Street entlang und so langsam meldete sich bei mir der Hunger. Erst am selben morgen hatte ich von einem Imbiss namens Japadog gelesen, der anscheinend sehr bekannt war und an dem ich jetzt prompt zufällig vorbeilief. Berühmt ist der Imbiss dafür, dass Sushi und Hot Dogs kombiniert. Das klingt zwar merkwürdig, schmeckt aber ganz gut, wiederrum aber nicht so gut, dass der Hype gerechtfertigt wäre.
Gut gestärkt schlenderte ich weiter die Robson Street entlang, auf der es tolle Läden gibt so weit das Auge reicht. Gekauft habe ich jedoch nichts außer eine Wintermütze, denn ich möchte sparen und habe ja sowieso keinen Platz im Rucksack.
Auf einmal kam ich am Ende der Robson Street an und mir wurde klar: ich war einmal quer durch Downtown gelaufen! So machte ich erst einmal Rast bei Tim Hortons und schrieb ein wenig am Blog. Danach machte ich mich auf zu einem Thrift Store, in dem ich einen San Francisco Reiseführer für nur $2 fand!
Am Montag war Thanksgiving und ich hatte frei, denn eigentlich war ein nettes Dinner mit meinem Mitbewohnern geplant. Leider waren wir alle zu beschäftigt, um irgendwas im voraus zu planen und es klappte dann doch nicht so, wie ich mir das vorgestellt hatte. Dafür gab es aber zum Mittag eine herbstliche Suppe, zu der meine Mitbewohnerin allerhand Zutaten hinzufügte, von denen ich noch nie etwas gehört hatte.
Noch immer war das Wetter toll und ich war in Strandlaune (das heißt natürlich: noch mehr als sonst auch). So machte ich mich auf zu einem Teil der Stadt, den ich noch gar nicht erkundet hatte. Die erste Station auf dieser Erkundungstour war der Jericho Beach mit Park, in dem man die wunderschönen Herbstfarben so richtig genießen kann. Außerdem hatte ich hier einen Überraschungsbesuch von winzigen wilden Kaninchen, die wie mir eine Frau mitteilte, dort unter dem gestrandeten Treibholz leben.



Danach nahm ich den Bus zum UBC-Campus, der wirklich riesig ist und quasi eine eigene Stadt mit Läden, Cafes und Bars. Von dort aus lief ich zum weniger bekannten Tower Beach, auf dem ich so gut wie allein war, denn er ist kein Sandstrand. Weiter ging es einen Weg entlang, der den Tower Beach mit dem daneben liegenden Wreck Beach verbindet und dabei abwechselnd am Strand entlang und durch den Wald führt. Auf dem Weg konnte ich dann, um diesen tollen Tag abzurunden, noch einen wunderschönen Sonnenuntergang genießen und in das entspannte Studentenleben hineinschnuppern, die am Wreck Beach regelmäßig Lagerfeuer veranstalten.


Dienstag und Mittwoch hieß es dann aber erst einmal wieder Work, Work, Work, Work, Work… Eigentlich hätte es für den Rest der Woche auch so weiter gehen sollen, doch als ich am Donnerstag aufgestanden war, schrieb mir auf einmal mein Chef, dass es für heute keine Arbeit gab. So hatte ich den Tag unerwartet frei und wusste gleich gar nicht, was ich mit all dieser freien Zeit anfangen sollte. Ich beschloss also, es ruhig angehen zu lassen, holte mir etwas zu essen bei einem Food Truck und verbrachte später einige Stunden in einem Coffeeshop, um an der Stanley Park Fotostrecke zu arbeiten.
Auch am nächsten Tag stand ich wieder pünktlich für die Arbeit auf, nur um dann nach einiger Zeit von meinem Chef zu erfahren, dass es auch heute keine Arbeit für uns gibt. Etwas entnervt und enttäuscht ging ich erst einmal wieder ins Bett und postete ratlos in der Facebook Gruppe, ob denn heute jemand etwas unternehmen will.
Prompt hatte ich eine Antwort von Steffi, die kurzfristig wieder in Vancouver war. Wir schmiedeten Pläne für den Tag und ich holte sie ab, weil sie sich noch nicht in der Stadt auskannte. Dann überlegten wir, was man bei diesem schlechten Wetter überhaupt anfangen kann und ich erinnerte mich zurück an einen Blogeintrag, den ich gelesen hatte.
Wir machten uns also auf den Weg nach Chinatown zum Catfe, einem Cafe und Katzen-Streichelzoo ein einem. Nur leider brauchten wir ewig, um es zu finden. Es war in einer etwas merkwürdigen Mall, durch die wir bestimmt drei mal durchliefen, bis wir bemerkten, dass sie zwei Etagen hatte. Dann liefen wir endlich die Treppe hinauf und standen auf einmal direkt davor. Augenblicklich sahen wir durch das Fenster Katzen überall im Raum verteilt, was bei uns die Vorfreude weckte. So gönnten wir uns einen Cappuccino betraten den Katzenbereich und wurden auch sofort von zwei Katzen begrüßt. Kurz darauf sahen wir, dass um uns herum noch viele weitere versteckt in den Regalen herumlagen, während andere spielten.
Eine Katze tat uns sehr leid, denn sie war in einem privaten Zimmer und kam uns sehr einsam vor. Doch dann sprach uns eine der Betreuerinnen darauf an und erklärte uns das System des Catfe. Es ist quasi ein Tierheim für einige wenige Katzen, die man dort nach einem Interview direkt adoptieren kann. Diese Katze war vor einer halben Stunde erst angekommen aus einem richtigen Tierheim und wurde nun eingewöhnt. Wir durften sogar in ihr Zimmer und da merkte man auch, dass sie noch etwas gestresst, aber doch schon neugierig war.
Eine andere Katze hatte es uns besonders angetan, sie war klein, total flauschig und hatte strahlend blaue Augen. Von ihr konnten wir uns dann auch nur schwer verabschieden, doch natürlich mussten wir weiter ziehen.
Unentschlossen setzten wir uns dann erst einmal ins Starbucks, ganz frech ohne etwas zu kaufen, denn die Preise dort gehen doch ganz schön auf den Geldbeutel. Hier recherchierten wir weitere Möglichkeiten, was man bei dem Regen machen kann. So richtig kamen wir aber zu keinem Ergebnis und so schlug ich vor, wieder nach Granville Island zu fahren, um dort in der überdachten Markthalle den Gourmet-Tag zu vollenden. Steffi war dort genau so begeistert von den Marktständen wie ich und wir tauschten uns ständig darüber aus, was wir alles einmal probieren wöllten (im Grunde genommen alles, was man auf dem Markt finden konnte). Schlussendlich aßen wir einen Burrito und zum Nachtisch zwei kleine Törtchen, von denen eins so schwer war, dass bei uns die Frage aufkam, ob darin nicht vielleicht ein ganzes Stück Butter ist.
Nach dem ganzen Essen stand uns der Sinn nach einem Spaziergang und so liefen wir die Seawall entlang. Das war wieder einmal eine sehr gute Entscheidung, denn es war nun dunkel und die ganze Stadt war so toll beleuchtet. Das kommt nur leider auf Fotos nie so gut zur Geltung, besonders, weil ich mal wieder meine Kamera nicht mit hatte.

Am nächsten Tag war mal wieder eigentlich Arbeit geplant, so stand ich um 7 auf, machte mich auf den Weg und wartete währenddessen auf eine Bestätigung meines Chefs. Als ich ankam und immer noch keine hatte, ging ich einen Kaffee trinken. Für mehr als eine Stunde meldete sich mein Chef nicht, dann irgendwann hatte ich endlich eine Nachriht von ihm, aber es war bloß seine Freundin, die mir mitteilte,dass er sein handy bei ihr vergessen hatte und dass es heute keine Arbeit gibt.
Etwas entnervt und vor allem ohne Plan, entschied ich mich, zu einem Vancouver Flea Market, einer großen Halle mit Second-Hand-Verkaufsständen,zu fahren. Dort kaufte ich mir sehr billig eine gebrauchte Ukulele, die neu 75 Dollar gekostet hätte.
Danach ging ich dann noch in einen Halloween Laden, um ein Gefühl für diese in Deutschland ja doch fremde Tradition zu bekommen. Hier bemerkte ich gleich, dass die Medien es nicht flasch darstellen, wie verrückt die Amerikaner (und so anscheinend auch die Kanadier) nach Halloween sind.
Am selben Abend traf ich mich wieder mit Steffi, wir gingen Essen am Commercial Drive und ich bestellte mir Beef Poutine. Poutine ist ein sehr verbreitetes Gericht in Kanada mit Pommes, Bratensoße und Käse. Das klingt zwar nicht appetitlich, schmeckt aber himmlisch und die Zutaten passen auf merkwürdige Weise super zusammen.
Sonntag morgen quälte ich mich mal wieder aus dem Bett, nur leider wieder ohne Glück. So langsam war ich ziemlich deprimiert, und auch ganz schön im Verzug mit dem Geld verdienen. Trotzdem beschloss ich, das Beste aus dem freien Tag zu machen, denn nun hatte ich wenigstens frei und konnte die Halloween Parade sehen.
Pünktlich um 11 stand ich also in Downtown im strömenden Regen mit einigen anderen, die sich bei diesem Wetter rausgetraut hatten und wartete auf die Parade. Diese war sehr schön aber auch kurz und der eigentliche Spaß begann erst danach. McDonalds versorgte alle mit kostenlosem Kaffee, es gab Marktstände zum Thema Halloween und Pop Culture und kostümierte Leute musizierten, animierten die Zuschauer zum Tanzen und posierten geduldig für Selfies mit allen Passanten.

Auch am nächsten Tag hatte ich wieder frei, was nun mittlerweile keine Überraschung mehr, aber trotzdem nicht weniger deprimierend, war.
Geplant war wieder einmal ein Ausflug mit Steffi, diesmal in den Stanley Park. Zuerst aber ging es nach Chinatown, denn wir hatten beide Hunger und Lust auf ein Picknick. So kauften wir richtig leckere Sandwiches, die wir später im Stanley Park genossen.
Danach schlenderten wir noch ein wenig durch Chinatown und entdeckten sogar Läden, die genau so waren, wie man sich Chinatown vorstellt, mit exotischen Speisen, Gewürzen und natürlicher Medizin.
Dann nahmen wir den Bus bis zum Stanley Park, wo wir diesmal fast die einzigen Leute waren, weil bei dem Regen hier niemand spazieren gehen will, außer wir. So konnten wir einmal richtig die Ruhe genießen und liefen sogar die gesamte Seawall entlang! Zur Belohnung, dass wir uns durchnässt am Park entlang schleppten, konnten wir einige Robben zu Gesicht bekommen, von denen uns eine richtig nahe kam! Hier sind nun also mal wieder Bilder vom Stanley Park, ich hoffe ihr habt sie noch nicht über!
