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Somewhere over the Rainbow

  • Oct 10, 2016
  • 6 min read

Der nächste Tag, ein Dienstag, war mein erster freier Tag seit längerem. Zuerst hieß es aber trotzdem: Die Pflicht ruft. Wenn auch eine gute, denn es war Zeit, meine zwei Lohnchecks einzutreiben. Dafür ging es einmal quer durch die Stadt und danach auch gleich noch zur Bank. Alles beeilen nützt hier jedoch nichts – die Bank braucht trotzdem 7 Tage, bis ich irgendwas von meinem mehr oder weniger schwer verdienten Geld zu sehen bekomme.

Nach dieser Tortur entschied ich mich spontan zu einem Ausflug zum mir bisher noch unbekannten Queen Elizabeth Park. Dieser liegt außerhalb des Zentrums und ist wahrscheinlich deshalb auch nicht so stark besucht, was er meiner Meinung nach aber defintiv verdient hätte. Der gesamte Park ist wunderschön bepflanzt und von einem Hügel in der Mitte des Parks hat man eine gute Aussicht auf die Skyline. Zusätzlich dazu hatte der Park noch eine ganz außergewöhnliche Überrraschung parat: auf dessen Mauer saß ein Papagei, der redete, andere Tiere imitierte und sogar anfing zu tanzen, wenn Leute ihn begeistert anfeuerten. So etwas Niedliches und gleichzeitig Verrücktes hatte ich schon lang nicht mehr gesehen!

Abends war ein Essen mit meinen Kollegen geplant, denn ein guter Freund von mir hat nach 10 langen Wartejahren endlich seine kanadische Staatsbürgerschaft erhalten und ist nun offiziell Mexicanadian! Danach ging es zur Cambie Bar in Downtown, wo aber leider sehr streng die Ausweise kontrolliert wurden. Und da ich noch nicht 19 bin, wurde mir der Eintritt leider verwehrt. Ich fuhr also zurück nach Hause, wo ich den Tag entspannt mit meiner Mitbewohnerin Katie, ein paar Sitcoms und etwas Wein ausklingen ließ.

Am Tag danach hatte ich schon wieder frei, man glaubt es kaum! So machte ich mich auf zum nächstgelegenen Tim Hortons, um dort entspannt den vorletzten Blogeintrag zu schreiben, denn ich bin mit dem Berichten meiner bisherigen Erlebnisse trotz fast täglicher Arbeit am Blog immer noch echt hinterher!

Der Nachmittag war allerdings wieder für einen Ausflug gedacht, und so machte ich mich nach dem Erledigen einiger Einkäufe auf nach Downtown.

Ich machte einen kurzen Stopp im Davie Village, dem Regenbogenviertel der Stadt, um dort den einzigartigen Fußgängerüberweg zu bestaunen. Außerdem war ich einfach überwältigt von der Anzahl der Regenbogenflaggen, die einem aus jedem Winkel förmlich entgegenspringen. Sie geben dem Davie Village ein ganz besonderes und weltoffenes Ambiente.

Danach machte ich mich wie geplant auf zum Stanley Park, um das Herbstwetter voll auszunutzen und einen Teil des Indian Summer zu sehen, bevor er auch schon wieder vorbei ist. Diesmal ging es die westliche Seawall entlang, um den Teil des Parks zu erkunden, den ich noch nicht gesehen habe. Oft habe ich mich dabei einfach an den Strand in die Sonne gesetzt und die Aussicht genossen. Hier hat man einfach das typische Meer-Flair, inklusive Sandstrand, Salzluft und Seevögeln.

Nach einiger Zeit der Entspannung entschied ich mich dazu, nun tiefer in den Park hineinzulaufen und machte ich so unwissend zu einer längeren Wanderung durch den Wald auf. Diese war zwar nicht geplant, aber auf keinen Fall ungewollt. Wieder einmal war ich einfach fasziniert von den riesigen Bäumen, die hier ganz normal sind. Außerdem kommt man, sobald man sich von der Seawall entfernt, in den Genuss völliger Ruhe, denn man trifft nur noch wenige Menschen. Wieder einmal beweist der Stanley Park, dass er kein gewöhnlicher Stadtpark ist.

Zum Abschluss des Tages setzte ich mich wieder an den Strand und genoss dort den Sonnenuntergang. Dann wurde es jedoch rasant kälter, sodass ich trotz wunderschöner Aussicht schnellstmöglich flüchtete.

Und da ich nun endlich so gut wie alles vom Stanley Park gesehen habe, könnt ihr als nächsten Post die Fotostrecke erwarten! Ich kann jetzt schon sagen, dass das Schwierigste daran war, nicht um die 100 Bilder hochzuladen!

Am Donnerstag rief mal wieder die Arbeit, und es war auch wieder einmal ein neuer Job, den mir auch wieder mein ehemaliger Arbeitskollege besorgt hat. Für diesen Job ging es nach North Vancouver, für mich eine ganz schön komplizierte Anreise, die eine einstündige Reise mit drei verschiedenen Buslinien beinhaltet. Was tut man nicht alles, um etwas Geld zu sparen! Endlich angekommen, ging es auch gleich ans Streichen von zahlreichen Balkons in einem neunstöckigen Wohngebäude. Nach diesem Schema verliefen dann auch die nächsten zwei Tage. Aufgrund des langen Arbeitsweges und weil ich auch immer fleißig Überstunden mache, war ich auch immer erst spät zu Hause und brachte an diesen Tagen nicht viel fertig.

Grund zur Freude gab es jedoch auch, denn am Samstag hatte ich schon wieder frei und eine Wanderung mit meiner Mitbewohnerin Katie war geplant. Doch am Morgen erwachte ich zu strömenden Regen, der anscheinend unsere Pläne durchkreuzen wollte. Aber so leicht kann man sich in Vancouver nicht von seinen Outdoor-Plänen abbringen lassen! Wir entschieden uns also, trotzdem zu gehen und machten uns nach einer Tasse Kaffee auch gleich in ihrem Auto auf nach North Vancouver ins Lynn Valley. Dort entschieden wir uns spontan für eine andere Wanderung, denn auf der geplanten Route hätten wir bei dem Wetter sowieso keine Aussicht gehabt. Da das Lynn Valley von Wanderwegen aller möglichen Schwierigkeitsgrade durchzogen ist, hatten wir viele Möglichkeiten zur Auswahl und entschieden uns schließlich, zu den Northan Falls zu wandern. So legten wir insgesamt 15km im Regen zurück und das teilweise steile, steinige Pfade hinauf mitten durch den dichten Wald. Leider habe ich von diesem Ausflug aber nur wenige Fotos, denn die Angst um Kamera und Handy besiegte den Drang, Natur und Erlebnisse zu dokumentieren. Ganz ohne Fotos konnte ich diesen Ort dann aber doch nicht verlassen.

Immer noch völlig durchnässt, aber trotzdem glücklich, ging es mit dem Auto zurück zur Wohnung. Dort kochten wir Abendessen und dann ging es auch gleich wieder los. Das Ziel war ein Clothing Swap Event in Katies Yoga-Studio. Jeder Teilnehmer bringt Kleidung mit, die er nicht mehr möchte und kann im Gegenzug die abgelegte Kleidung anderer mit nach Hause nehmen. Der Rest wird gespendet. Ich fand einen schönen Pullover und nebenbei gab es auch noch kostenloses Bier, ich war also rundum zufrieden.

Am Sonntag darauf hatte ich eigentlich geplant, zu arbeiten. Doch als ich aufwachte, sah ich dass es regnete, so dass das Streichen von Balkons unmöglich wäre. Ich schrieb meinem Boss eine Nachricht und legte mich prompt wieder ins Bett, um noch ein paar Stunden zu schlummern. Als ich dann wieder aufwachte, war die Überraschung groß: blauer Himmel und strahlender Sonnenschein soweit das Auge reicht! Allerdings war es nun schon nach 10 und ich war mental auf einen entspannten freien Tag eingestellt. Dabei blieb es dann zum Glück auch, denn mein Boss ist so entspannt, dass er mir den freien Tag trotzdem gönnte.

Nach kurzer Ratlosigkeit darüber, was ich denn nun mit so viel freier Zeit anfangen sollte, erinnerte ich mich an eine Empfehlung, die mir mein Mitbewohner Vincent am Tag zuvor gegeben hatte: Granville Island, eine Insel südlich von Downtown bestehend aus Parks, kleinen Häfen und einer großen Markthalle. Dort angekommen fühlte ich mich, wie von Vincent prophezeit, als wäre ich in einer anderen Welt angekommen. Dass ich mich immer noch in einer Großstadt, und keinem gemütlichen Fischerdorf, befand, wurde nur durch die vielen Menschen deutlich.

Auf dem Weg zur Markthalle genoss ich die wunderschöne Aussicht auf die sonnenbeschienene Skyline Downtowns und meine Kauflust wurde geweckt durch viele kleine individuelle Läden mit Kleidung, Dekor und indianischer Kunst.

In der Markthalle angekommen, war ich für einen kurzen Moment schlichtweg überwältigt. Man sah Obst, Backwaren, Süßigkeiten, Blumen und und und so weit das Auge reicht. Dazu kamen köstliche, sich ständig verändernde Düfte, die bei mir sofort den Appetit weckten. Am liebsten hätte ich mich durch jeden einzelnen Stand probiert! Nun hatte ich allerdings die Qual der Wahl und am Ende holte ich mir einfach nur einen Snack von einer der Bäckereien und einen Kaffee. Damit machte ich mich auf nach draußen, um das bombastische Wetter zu genießen. Dort gab es, um mich noch mehr in den Bann zu ziehen, zahlreiche Bänke direkt am Wasser und in der Mitte des Platzes spielten Musiker alte Klassiker auf der Gitarre. Hier ließ es sich verweilen! So kam es dann auch, dass ich statt den zwei Stunden, die man im Durchschnitt braucht, um die Insel zu erkunden, fast den ganzen Tag dort blieb. Aber ich hatte immer noch nicht genug davon und so war mir klar: hier bin ich nicht zum letzten Mal gewesen!

 
 
 

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