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Eine schwierige Entscheidung und das Klischee der netten Kanadier

  • canadaydream
  • Sep 4, 2016
  • 7 min read

Am 30.08. war es für uns nun Zeit, unsere Airbnb und damit leider auch unsere richtig netten Hosts in Surrey zu verlassen. Zum Abschied schenkte die Frau uns ein niedliches selbst gemaltes Bild von ihnen (oder uns? Es ist nicht genau zu erkennen…).

Bevor sie uns netterweise wieder zum Skytrain fuhren, machten sie uns sogar noch das Angebot, dass wir ja bei ihnen wohnen könnten, wenn sich nichts anderes findet. Nur eben liegt Surrey wirklich weit außerhalb und soll wohl auch keine gute Gegend sein. Das zumindest haben uns unabhängig voneinander schon mehrere Locals erzählt, obwohl wir selbst während unseres Aufenthaltes davon nichts bemerkt haben. Wenigstens hatten wir so aber einen Plan B, falls wirklich alles andere schief gehen sollte.

Nach unserer Verabschiedung machten wir uns auf den Weg nach Richmond. Was in der Luftlinie voneinander ungefähr 25km entfernt ist, kostete uns ungefähr 2 Stunden Fahrt mit Skytrain und Bus. Denn eine Sache, die man über Vancouver wissen sollte, ist, dass das Verkehrsnetz bei weitem nicht so gut ausgebaut ist, wie man das von europäischen Großstädten und selbst auch von anderen kanadischen Städten gewöhnt ist. Hier gibt es 3 Skytrain Linien, die jeweils in eine andere Himmelsrichtung, und damit in einen anderen Vorort, führen. Das wechseln zwischen den Linien ist jedoch nur an der Endhaltestelle Waterfront in Downtown möglich, da sich nur bei dieser alle Linien überschneiden. So mag man zwar von Surrey nach Richmond eine Entfernung von rund 25 km haben, jedoch muss man erst von Surrey nach Downtown und dann von Downtown nach Richmond.

Das Wechseln des Quartiers nahm an diesem Tag also einige Zeit in Anspruch. Als wir dann unsere Airbnb bezogen, war auch der erste Eindruck nicht der beste. Unser Zimmer ist ziemlich karg, außerdem gibt es hier viele Zimmer, da der Host hier selbst nicht wohnt und es eher wie eine Art Hostel betreibt. Außerdem hatten wir auch noch das Zimmer mit der unpraktischsten Lage erwischt, denn es lag direkt an der Haustür, an der rund um die Uhr Leute ein und aus gingen, und auch noch direkt an der Straße, die sogar ein Highway, und damit richtig laut, ist. So langsam haben wir uns daran gewöhnt, schlafen aber trotzdem nur mit Ohropax.

Was uns auch sofort negativ auffiel, war, dass das Geschirr hier so gut wie immer dreckig ist. Die anderen Gäste halten es wohl nicht für nötig, ihr Geschirr nach der Benutzung sauber zu machen. So haben wir nun auch gelernt, unser Geschirr eben vor und nach dem Essen abzuspülen.

Am selben Tag machten wir uns noch auf zu einer Erkundungstour unserer näheren Umgebung. So gelangten wir zum Ufer des Fraser River, der Richmond von der Flughafeninsel trennt. Man kann sich hier also auf eine Bank setzen und im Minutentakt den Passagierflugzeugen beim Starten zu sehen. Auch sehr interessant ist, die davor gelegenen Wasserflugzeuge zu beobachten, die hier anscheinend regelmäßig Touristen herumfliegen.

Wir liefen weiter das Flussufer entlang und gelangten so direkt zum Ufer des Pazifik und des Terra Nova Rural Park. Leider gibt es hier statt einem Sandstrand nur massig Schilf, aber schön ist es trotzdem. Hier hatten wir auch eine Begegnung mit einem Kanadier, die uns mal wieder, wie so oft, zeigte, wie wahrheitsgemäß das Klischee der netten Kanadier ist. Der Mann fuhr auf den Parkplatz des Parks in seinem gelben Corvette und ich war vom Auto so begeistert, dass ich prompt ein Foto davon machen musste. Da rief er mir auf einmal zu, ob ich denn nicht ein Foto von mir in seinem Auto haben wolle, denn das wäre doch viel cooler. Zuerst dachte ich, dass er einen Scherz machte, aber nein, er hielt direkt an und ließ mich einsteigen. Nun könnt ihr also sehen, wie es aussieht, wenn eine 18 jährige, arme Backpackerin in einem protzigen Sportwagen am Meer posiert.

Der nächste Tag war der von uns erkorene Haushaltstag. Er begann also mit dem Waschen einer Ladung Wäsche, nach der wir erstmal eine Pause brauchten. So liefen wir zu Subway und dann Starbucks, weil wir uns sehnlichst nach einem Kaffee mit Tim-Horton’s-Qualität sehnten. Leider wurden wir jedoch enttäuscht, denn der Starbucks Kaffee ist im Vergleich wirklich einfach nur Plempe.

Den Abend widmeten wir dann dem Schreiben des kanadischen Resumés. Das nahm wirklich viel Zeit in Anspruch, denn die Kanadier wollen alles genaustens wissen. Uns fiel außerdem ein, dass wir unbedingt noch einkaufen mussten, so ging es spät noch zu T&T, was übrigens kein Dynamitladen, sondern ein chinesischer Supermarkt ist. Hier waren wir geschockt von der Fischtheke, an der es Aquarien mit vielen noch lebenden Tieren gab, unter denen auch zwei meterbreite Krabben, die keinen Platz hatten, sich zu bewegen, waren. Nach dem Besuch vom T&T Supermarkt, mit dem passenden Song von ACDC im Ohr, aber trotzdem noch geschockt, machten wir uns mit schweren Einkaufstüten in der Hand auf den Rückweg zu unserer Unterkunft.

Um zu erfreulicheren Themen zurückzukehren: Wir hatten endlich Erfolg bei der Wohnungssuche!

Wie so oft musste halt einfach mal Mutti helfen. Sie wies uns darauf hin, dass es bei Airbnb manchmal extremste Rabatte, teilweise bis 50%, gibt, wenn man für mehr als einen Monat bucht. Vorher hatten wir auf alle möglichen Websites zum Mieten von Räumen und Appartments geguckt, aber auf Airbnb wären wir selbst nie gekommen.

Wir verbrachten also einige Zeit mit der erneuten Suche und violá: am Ende der Suche hatten wir 6 Angebote gefunden, die uns alle richtig gut gefielen und auch noch in unserem Budget lagen (wenn auch gerade so…) Wir schrieben also alle Besitzer an, erhielten im Laufe des Tages von vier eine Antwort und machten für den kommenden Tag Termine zur Besichtigung aus, um alles gleich mit einem, immerhin fast $10 teuren, Daypass abwickeln zu können.

Der nächste Tag versprach also, ein anstrengender und vollgepackter zu werden. Halb 9 hieß es aufstehen, schnell frühstücken und auf nach Burnaby, einem weiteren Vorort von Vancouver. Aufgrund des bereits erwähnten miserabelen Verkehrsnetzes brauchten wir auch hier wieder eine anderthalbe Stunde und mussten deshalb so zeitig los, um unseren Termin um 12 Uhr zu schaffen.

Die Frau zeigte uns eine riesige Villa in einem ruhigen und beschaulichen Vorort. Zwar waren wir vor Ort n0ch begeistert, im Vergleich zu den anderen Angeboten trat dieses jedoch schnell in den Hintergrund. Uns war das ganze zu unpersönlich, denn immerhin wollten wir auch unser Englisch verbessern, und außerdem lag es von allen Angeboten am weitesten außerhalb.

Nach unserer Besichtigung hatten wir Zeit bis um 4 und gingen so zum Burnaby Lake, ein kleiner See in einem Park, der bekannt ist für die tausenden Vögel, die man hier antrifft. Sie schwammen alle auf dem See und waren überhaupt nicht scheu, ließen sich füttern und fotografieren. Wir sahen auch Vögel, die uns bisher völlig unbekannt waren.

Nach diesem kleinen Abstecher in die Natur ging es weiter zur zweiten Besichtigung des Tages am Commercial Drive nahe des Stadtzentrums. Schnell angekommen hatten wir noch Zeit um etwas zu essen und machten die Entdeckung der wahrscheinlich besten Pizza der Stadt, Uncle Fatih’s. Man bekam hier riesige Stücke für rund $2, was für Vancouver ein unschlagbarer Preis ist, und konnte sogar selbst Gewürze und Soßen hinzufügen. Nach diesem Genuss war uns schon klar, dass dies sehr wahrscheinlich nicht unser letzter Besuch hier sein würde und uns sogar zum Verhängnis werden könnte, falls wir die Wohnung in der Nähe nehmen.

Diese Wohnung ist eine WG mit einer kanadischen 29-jährigen Mitbewohnerin, die richtig nett ist. Wir haben uns sofort bestens mit ihr verstanden und nachdem sie uns in der Wohnung herumgeführt hatte, haben wir auch noch über viele andere Themen geplaudert. Mit ihr könnten wir definitv im Eiltempo unser Englisch verbessern und würden außerdem noch erfahren, wie das Leben eines Kanadiers in der schönsten Stadt des Landes so abläuft.

Der dritte Airbnb-Host, ein junger Vancouveraner Fitnesstrainer, holte uns direkt von der Skytrain Station mit seinem Auto ab und auf der Fahrt unterhielten wir uns super gut mit ihm. Auch die Wohnung war wunderschön, luxuriös und neu eingerichtet, denn er selbst war neu im Business. Das ist wahrscheinlich auch Grund dafür, warum er für diese Wohnung viel weniger verlangt, als sie eigentlich wert ist. Leider war es uns jedoch auch hier wieder zu unpersönlich, denn wir hätten die Wohnung für uns, da er selbst nicht dort wohnt. Auch die Anbindung an die öffentlichen Verkehrsmittel könnte besser sein.

Wir machten uns also auf den Weg zum vierten und letzten Host und wurden durch Regen und Buschaos vor eine Herausforderung gestellt. Letztendlich holte uns die Besitzerin dann von der Skytrain Station ab und führte uns dann durch ihre schöne riesige Villa. Danach kochte ihr Mann, der vor dem Ruhestand Koch war, uns ein typisch chinesisches Nudelgericht, das uns so richtig gut schmeckte. Zu allem Überfluss fuhren sie uns dann sogar wieder nach Hause, was bestimmt über eine halbe Stunde Fahrt für sie bedeutete.

Eine halbe Stunde vor Mitternacht waren wir dann wieder in unserer Airbnb, total fertig und erschöpft vom anstrengenden Tag, doch unsere Köpfe bekamen wir einfach nicht leer. So eine schwierige Entscheidung lässt einen bekanntermaßen nachts nicht schlafen und so blieben wir weiterhin auf und erstellten eine Pro und Kontra Liste für alle Wohnungen. Schlussendlich gingen wir dann doch ins Bett, mit der Hoffnung, dass eine Nacht darüber zu schlafen uns die Entscheidungsfindung erleichtern würde.

Am nächsten Morgen wachten wir wie zu erwarten ohne Eingebung auf und die Entscheidung fiel kein bisschen leichter. Nach längerer Diskussion kam jedoch heraus, dass wir beide das selbe Bauchgefühl hatten. Nach weiterem Zögern entschieden wir uns dann endlich, nun zum Punkt zu kommen. Wir hörten auf unser Bauchgefühl und trafen eine Entscheidung.

Und nun Trommelwirbel bitte!!

Ab dem 6. September werden wir für einen Monat oder mehr mit unserer kanadischen Mitbewohnerin Katie am Commercial Drive nahe Downtown wohnen!

Wir teilten ihr also unsere Entscheidung mit und sie freute sich auch riesig. Uns fiel eine riesige Last von den Schultern und ich war besonders erleichtert, dass ich mir von nun an die ermüdende und enttäuschende Craigslist Sucherei sparen konnte.

Nach diesem aufregenden Ereignis war der Rest des Tages entspannt, ich unternahm abends einen längeren Spaziergang am Wasser und danach schauten wir einen Film. Etwas Aufregung gab es noch einmal, als wir der chinesischen Putzfrau der Airbnb bei der suche ihrer, wie sich später herausstellte, roten Handtasche, helfen mussten. Sie war total aufgebracht und war anscheinend extra noch einmal her gekommen, obwohl es bereits fast Mitternacht war. Leider war unsere Suche vergebens und wir wissen auch nicht, ob sie sie mittlerweile gefunden hat.

Trotz dieses Zwischenfalls gingen wir mit einem Gefühl der Erleichterung und des Erfolges ins Bett.

 
 
 
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